nt/Areal Basel

 


Urbane Impulse

Man stelle sich irgendwo in einer europäischen Stadt ein Entwicklungsgebiet für mehrere hundert Wohnungen und viele Arbeitsplätze vor. Wie lange dauert es, bis sich städtisches Leben an einem solchen Ort einstellt? Wer zieht in ein Quartier, das noch gar keines ist? In Basel, wo das brachfallende DB-Güterbahnhofareal ein fast letztes Stadterweiterungsgebiet darstellte, stellte sich der kleine Verein k.e.i.m. dieselben Fragen. Unter dem Label nt/Areal - wobei nt für «non territorial» und damit für einen Verzicht auf einen permanenten Raumanspruch steht - richtete er ab 2000 eine Zwischennutzung in der ehemaligen Betriebskantine und dem benachbarten Wagenmeisterei im Zentrum des 19ha grossen Areals ein. Ausgangspunkt für die Initianten war die eigene Fachstudie «Akupunktur für Basel», welche das Transformationspotenzial des Areals akribisch analysierte. Die Autoren stellten die These auf, dass Zwischennutzung, wenn richtig gesteuert, dem bisherigen Nicht-Ort frühzeitig eine eigene Identität und urbane Impulse vermitteln kann, welche im Stadtgefüge positive Spuren hinterlassen. Das neue Quartier könnte von Anfang an von einer städtischen Atmosphäre profitieren. 

 

Phase I: Gastro- und Kulturoase

Die ehemalige Kantine fürs Bahnpersonal wandelte sich schnell zum überregional beliebten Restaurant Erlkönig, in der zugehörigen Lounge entstand ein Clubbetrieb mit Bar, DJ-Events, Konzerten und anderen kulturellen Veranstaltungen. Die Wagenmeisterei betrieb man zuerst als freies Labor für Kultur und Stadtentwicklung, später dann als eigenständige Kulturbar. Manchmal fast wichtiger noch für die öffentliche Wahrnehmung war der Aussenraum: ein vorher unzugängliches riesiges Areal stand plötzlich der ganzen Bevölkerung offen. Knapp 1.5 km vom Stadtzentrum entfernt erzeugten die stillgelegten Eisenbahngeleise, die schützenswerte Ruderalvegatation und die Weite des Stadthimmels eine befreiende und anregende Stimmung, sodass der Ort zu einem Umschlagplatz von Ideen wurde. Eine Vielzahl von Performances und Installationen zeugen von der grossen Nachfrage nach derartigen Freiräumen. Künstler/innen generierten aus den Qualitäten des Ortes heraus neue Werke und Werte.

Phase II: Expansionsgelüste

Nach kurzer Zeit war das Projekt nt/Areal so attraktiv, dass die Grundeigentümerin Vivico im ehemaligen Verwaltungsgebäude mit ca. 5'000 m2 BGF einen Leerstand von 60% wettmachen konnte, indem Sie in eigener Regie und zu günstigen Konditionen Räume an Kulturschaffende und Startup-Betriebe vermietete. Die Autoren von «Akupunktur» erhielten von der Vivico zudem den Auftrag, Empfehlungen für eine Intensivierung der Zwischennutzung in diesem Gebäude und in den 20'000 m2 grossen Umschlagshallen zu entwickeln. Im Verwaltungsgebäude sollte ein belebtes Quartier- und Kreativzentrum entstehen, und in der äusseren Schicht der Hallen waren auf 400 Laufmeter kleinteilige Nutzungen und ein gedeckter Marktplatz vorgeschlagen. Jedoch setzte die Akquisition der Swiss International School und der Messe Schweiz als neue ertragssteigernde Mieter einer solchen Expansion ein rasches Ende.  

 

 


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