Torfeld Süd Aarau


Komplexe Verhältnisse

  Das Torfeld Süd ist eine vielfältige, aber auch kleinteilig strukturierte Industriezone in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Aarau. Ab 1894 entstand ein verschachteltes Konglomerat von Hallen, Gewerbebauten und Erschliessungsflächen (über 50 Bauten). Ende der 80er-Jahre begann der allmähliche Rückzug der industriellen Nutzung der Traditionsunternehmen Maschinenfabrik Oehler & Co, F. Aeschbach AG, Sprecher & Schuh sowie Maxim. Mit den Umstrukturierungen der Betriebe und der Eigentumsverhältnisse blieben etwa 60% der Geschossfläche der ursprünglichen Nutzung erhalten. Die restlichen Flächen haben die Eigentümer für sich beansprucht oder an Dritte vermietet. Als Besonderheit hat sich die weltweit tätige Rockwell Automation hier angesiedelt.

Andrang der Kleinen und Kreativen

  Mit der grossen Kunstausstellung Artefact 1988 in den Hallen der Firma Aeschbach ergab sich eine erste Stop&Go-Zwischennutzung, allerdings ohne nachhaltige Wirkung. Dennoch wurden bald auch kreative und Klein- bis Kleinstunternehmer und Vereine unterschiedlichster Couleur auf das Areal aufmerksam. Die Mehrheit wurde mit unbefristeten Mietverträgen ausgestattet, womit klar ist, dass das Torfeld Süd strategisch nicht als Zwischennutzung galt. Aktuell sind es 50 Unternehmen (davon die Hälfte im Areal gegründet), 25 Freizeit- und Clublokale, sowie 3 Glaubenszentren.

Belebung trotz Vernachlässigung

  Auch wenn das Areal keinen wirklichen einladenden Eindruck vermittelt, zieht es täglich über 1000 Arbeitende und Besucher/innen an, allein die Kletter- und Skater-Anlage gegen 80'000 pro Jahr. Damit erlangte Torfeld Süd den Status eines öffentlich deutlich wahrnehmbaren städtischen Brennpunktes, dessen Ausstrahlung sich auf ganz Aarau übertragen hat; die ursprüngliche Nutzung allein hätte dies nicht generieren können. Auch die Bedeutung für den Arbeitsmarkt kann sich sehen lassen, entstanden doch über 140 neue Arbeitsplätze, wobei in den Neuansiedlungen die Lehrlingsdichte doppelt so gross ist wie in der Gesamtstadt. Der Zustand der Bauten blieb vielfach prekär, weshalb die Zwischennutzer selbst über 5 Mio. CHF in den Ausbau der Räume steckten. Andere Mieter mussten ihre Räume verlassen, weil die Eigentümer die gesetzlich notwendige Sanierung der elektrischen Installationen lange hinausgeschoben und schliesslich verweigert hat.

 

 

 
Blog zum Stadionneubau (inoffiziell)
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