Spinnerei Murg


Schwerer Schlag

 Nach über 160 jährigem Bestehen musste die Spinnerei Murg 1996 ihren Betrieb schliessen, obschon sie noch wenige Jahre zuvor im Dorfzentrum in eine grosse neue Lagerhalle investiert hatte. Für alle Beteiligten war dies ein schwerer Schlag, denn das 800-Seelen-Dorf verlor 140 Arbeitsplätze und den besten Steuerzahler. Nach erfolgreicher Liqudidation des Produktionsbetriebes übernahm vier Jahre später ein Familienzweig der ehemaligen Besitzer die AG: «Statt eines Industriebetriebs habe ich nun eine Geschichte geerbt. Daran will ich anknüpfen. Ich spüre eine Verantwortung gegenüber diesem Ort, mit dem meine Familie seit Generationen verbunden ist.» (NZZ Folio 11/03). Übrig geblieben waren die Fabrikliegenschaften mit fast 30'000 m2 Nutzfläche - an einem Standort, der keine rosigen Entwicklungschancen versprach.

Kleine Schritte statt grosser Wurf

 

Zunächst wurde in Zusammenarbeit mit den Behörden ein Leitbild für ein Vorgehen in kleinen Schritten erarbeitet, da der Markt keine Aussicht für eine komplette Übernahme einzelner Bauten durch Dritte bot. Die zwei Schwerpunkte des Leitbildes waren: erstens eine baldige Ansiedlung von Kleingewerbe, Handwerk und Dienstleistungsbetrieben im Bestand, um im Dorf wieder neue Arbeitsplätze zu schaffen und einen Ertrag zu erwirtschaften. Die Zwischennutzung ermöglichte eine schnelle Umsetzung. Zweitens war man sich der touristischen Bedeutung der Lage am Walensee bewusst und plante Nutzungen, welche sich dieses Potenzial zunutze machen könnten. Als Zwischennutzung geplant - in der Zwischenzeit aber dank des Erfolgs verstetigt - wurde 2002 das Sägewerk am See in einen gastrokulturellen Betrieb mit Wassersportzentrum umgebaut. Andere temporäre und teils wiederbelebende Nutzungen für Freizeit, Kultur und Gemeinde folgten (Go-Kart, Musical, Kinderkrippe, Kunstausstellung, Musik-Übungsräume, einfache Wohnungen).

 

 

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