Lagerplatz Winterthur


Lange schwierige Entwicklung

Was die Grösse und das stadtentwicklerische Potenzial betrifft, sind die Geschicke des Sulzerareals in der Stadtmitte Winterthur auf gleicher Flughöhe anzusiedeln, wie jene der ABB in Baden oder im Zentrum Zürich-Nord. Grosser Unterschied: Sulzer wollte die ab 1992 nicht mehr für Produktionszwecke gebrauchten Immobilien direkt verwerten, d.h. an Dritte veräussern, während an den ABB-Standorten auch ein Eigenbedarf gedeckt wurde. Für das rund 27 ha grosse Areal fanden sich während langer Zeit weder befriedigende planerische Lösungen noch Investoren. Mehrere Projektplanungen, Wettbewerbe, Testplanungen und öffentliche Foren brachten zwar Ergebnisse, aber keine direkt umsetzbaren. Selbst dem vom Stararchitekten Jean Nouvel konzipierten Grossprojekt «Megalou» war trotz erteilter Baubewilligung kein Erfolg beschieden.

Zwischennutzung als Nebenschauplatz

Fast im Verborgenen begannen sich nach einer Ausstellung zum 700-Jahre-Jubiläum der Eidgenossenschaft auf dem 4.6 ha grossen und kompakten Teilgelände «Lagerplatz» direkt an der Bahnlinie, das eine ideale gemischte Raumstruktur mit kleinen und mittleren Raumeinheiten sowie Hallen aufweist, einzelne Künstler und Gewerbler für mietbare Räume zu interessieren. Die Verwaltung hatte keinen gezielten Nutzermix angestrebt, sondern reagierte auf die Nachfrage, welche durch Mund-zu-Mund-Propoganda innert weniger Jahren zu einer Vollvermietung des Leerstandes führte. Wenn in einem Gebäude alle Räume vermietet waren, folgte das nächste. Die Mietverträge waren befristet auf jeweils 5 Jahre mit Verlängerungsoption. Nebst der Kreativwirtschaft, innovativem Gewerbe, Kultur- und Gastrobetrieben, Trendsport und Soziokultur nisteten sich mit der Rudolf Steiner-Schule und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft (ZHAW) auch namhafte Bildungsinstitutionen auf dem Lagerplatz ein. Die besonderen Assets des Areals für die rund 100 Mieter/innen mit 350 Arbeitsplätzen waren die günstigen Konditionen, die Möglichkeit der sozialen Kontakte und die attraktive, wenn auch etwas heruntergekommene Bausubstanz.

Endlich Stadt

Investitionen zur Verbesserung der Mietsache wurden seitens der Eigentümerin nur minimal vorgenommen, ausser bei der ZHAW und im NW-Bereich, wo 1999 mit 1.3 Mio. CHF einige Gebäude zu Büros und Geschäftsräumen für KMUs umgebaut wurden. So hat sich die einstige «Notlösung» zum lebendigsten und erfolgreichsten Teil des Umnutzungsvorhabens Sulzer-Areal entwickelt. Für die Sulzer-Immobilien war der Lagerplatz wichtig, weil er für eine hohe Präsenz und eine permanente Belebung des Areals sorgte. Die Ausstrahlung der kreativen Atmosphäre hat sich auf die ganze Stadt Winterthur ausgewirkt. Vermehrt befriedigen Nutzer/innen und Publikum auch ihre Wohnbedürfnisse in der näheren Umgebung des Areals (Töss-Quartier). Überdies lassen etliche Stadtkenner verlauten, dass sich Winterthur erst mit dem Lagerplatz zu eine richtigen urbanen Stadt entwickelt habe, denn es haben sich Nutzungsangebote ergeben, die man in Winterthur vorher vermisst hat. Die Behörden haben die positiven Wirkungen der Zwischennutzung erst vor wenigen Jahren wahrgenommen, doch heute attestiert der Stadtpräsident dem Lagerplatz, einer der spannendsten Orte Winterthurs zu sein und eine positive Ausstrahlung auf das gesamte Sulzerareal auszuüben.

 

 


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