Le Flon Lausanne

 


Eine fast unendliche Geschichte

Die Geschichte des Quartiers Le Flon geht ins 19. Jh. zurück. Jean-Jacques Mercier, der Initiant und Realisator des Funiculaire Lausanne-Ouchy, erwarb kontinuierlich alle Grundstücke im Tal des Flon. Mit dem Aushubmaterial des Tunnels wurde das Tal zu einer Plattform aufgeschüttet und der langjährige zentrale Warenumschlagplatz von Lausanne eingerichtet. Ab den 50er-Jahren ging dessen Bedeutung zurück. Allmählich sind alternative, aber auch arrivierte Mieter aus den Bereichen Kunst, Kultur, Gewerbe, Detailhandel, Gastronomie, Nightlife etc. als Zwischennutzer mit meist befristeten Mietverträgen eingezogen, denn Eigentümer und Stadt brüteten über verschiedenen Entwicklungsstrategien, die allesamt von einer radikalen Neuüberbauung ausgingen. Dennoch entfaltete sich ein kleinstrukturiertes, dörflich anmutendes Leben mit einem 24-Stunden-Betrieb, denn die verschiedenen Anläufe zur Entwicklung kamen nie über einen Status der Planung hinaus, selbst als die Stadt 1988 gegen den Willen der Eigentümerin einen Wettbewerb organisierte, der von Bernard Tschumi gewonnen wurde.

Der Schandfleck bestimmt den Trend

Auch wenn im Flon über die Jahre ein lebendiges städtisches Biotop entstanden ist, blieb das Gebiet der gemiedene Hinterhof von Lausanne, wo insbesondere nachts die Sicherheit zu wünschen übrig liess, prägten doch die Prostitution und das Drogenmilieu das Bild. Eine erste Änderung trat 1984 ein, als die Gesellschaft den Bahnbetrieb Lausanne-Ouchy an die Stadt verkaufte und sich fortan als LO-Gestion AG auf das Immobiliengeschäft konzentrierte. Aber erst mit der Professionalisierung der eigenen Entwicklungsabteilung und einer offenen zuständigen Stadträtin gelang der Durchbruch zu einer Neuausrichtung, der 1999 in einem vom Service de l‘Urbanisme erarbeiteten Quartierplan (PPA) mündete. Der Plan folgte dem Motto: Das Beste der Vergangenheit aufgreifen, um die Zukunft zu bauen. Dies bedeutete einen sanften Umgang mit der Bausubstanz und der Nutzung: einzelne Gebäude wurden ganz oder teilweise erhalten und umgebaut, möglichst viele ehemalige Nutzungen wurden übernommen, wenn sie keinen Störfaktor darstellten, andere Arealteile sollten in einer bewahrenden Massstäblichkeit neu überbaut werden. Jedenfalls war es das Ziel, den vielfältigen, lebendigen und kleinstrukturierten Charakter zu erhalten: une vie de 24 heures, allerdings auf einem gehobenen Niveau. Der Plan erhielt keine Bestimmung zur Realisierung bestimmter Nutzungen.

 

 

 

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